Texte

Schreiben hilft mir, Situationen zu verarbeiten und mit Dingen abzuschliessen. Du findest hier immer wieder Schriftstücke über mein Innenleben, meine Gedanken, Emotionen und Prozesse. Mögen sie dich berühren und dir helfen, mit deinem eigenen Inneren in Kontakt zu kommen.
Wer ich geworden bin
Es ist schön zu spüren, wer ich geworden bin. Zwei Jahre ist es her, dass wir gemeinsam gereist sind. Damals dachte ich, dass ich euch brauche. Und damals dachte ich, etwas stimme nicht mit mir, weil ihr mich nicht wolltet. Jedenfalls nicht so wie ich euch.
Gruppen waren schon immer schwierig für mich. Ich hatte nie das Gefühl, dazuzugehören. Immer wieder habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mehr Menschen interessant finde, als mich Menschen interessant finden. Immer wieder hat mich das verletzt und darin bestätigt, dass ich nicht gut genug bin. Merkwürdig. Anders. Nicht zugehörig. Nicht gewollt.
Und heute stehe ich hier und bin einfach da. Ohne Erwartung, ohne Bedürftigkeit. Ich muss nichts mehr beweisen, muss euch nicht mehr zeigen, dass ich liebenswert bin. Für die, die mit mir sprechen wollen, bin ich präsent. Die, die sich mit mir unwohl fühlen, lasse ich. Und auch die, die zwar mit mir sprechen, mir währenddessen aber immer mal wieder ans Bein pissen, kann ich gewähren lassen, ohne dass es viel mit mir macht.
Ich bin nicht abgestumpft. Ich bin nicht lieblos geworden. Ich habe lediglich gelernt, dass vieles, was mir widerfährt, nichts mit mir zu tun hat.
Wie im Aussen, so im Innen, sagst du? Da bin ich nicht mehr so sicher. Nicht alles, was uns geschieht, ist ein Ausdruck davon, wie wir mit uns selbst umgehen. Manches bleibt, wie es immer war, auch wenn sich in unserem Inneren etwas verändert hat. Zum Beispiel, dass Menschen auf uns projizieren, was sie bei sich selbst nicht sehen wollen.
Was sich ändert, ist unser Umgang damit. Wir lernen, was zu uns gehört und was nicht. Wir lernen, wie sich echte Resonanz anfühlt, wie wir spüren können, dass etwas tatsächlich mit uns zu tun hat. Und wir lernen zurückzuweisen, was das von Anderen ist.
Ich bin dankbar dafür, dass ich das lernen durfte. Ich bin dankbar, dass ich jetzt körperlich spüre, dass ich gut bin, wie ich bin. Und dass ich gewollt bin. Auch wenn sich das im Aussen noch kaum zeigt. Auch wenn es immer wieder Tage gibt, an denen ich daran zweifle und an denen die Scham nochmal hochkriecht.
Auf Wiedersehen
Da ist noch immer diese Bitterkeit, wenn ich an dich denke. Ein Teil Traurigkeit, weil es mich verletzt hat, wie es zu Ende gegangen ist. Und ein Teil Wut, weil ich mich benutzt fühle. Und ganz viel schaler Nachgeschmack. Wenn ich ehrlich bin, habe ich von Anfang an gespürt, dass du mich nicht gesehen hast. Ihm habe ich es sogar erzählt.
«Ich bin mir nicht sicher, ob sie mich wirklich sieht und will um meinetwegen oder ob es einfach gerade praktisch ist, dass ich etwas anbiete, das ihre derzeitige Mentorin toll findet.», habe ich gesagt. Also wusste ich es. Ich habe es von Anfang an gewusst.
Eigentlich ist es simpel. Wer mich nicht sieht, gehört nicht zu mir. Nicht als Freundin und auch nicht als berufliche Wegbegleiterin. Eigentlich ist es ein guter Filter, dieses Nicht-gesehen-werden. Und doch tut es immer wieder weh, wenn ich die Menschen in ihrer Essenz erkenne und sie doch nur sich selbst in mir sehen. Da will ich konsequent werden. Nur noch in mein Leben lassen, wer zu mir passt. Für mich, für meinen Seelenfrieden und für die Augenhöhe. Denn die zu finden, wenn sie nicht von Anfang an gegeben ist, halte ich nicht mehr für wahrscheinlich.
Du hast mich enttäuscht. Und das war gut. So lange habe ich an Menschen und Dingen festgehalten, die nie für mich bestimmt waren. Ich darf meine Selbsttäuschung jetzt loslassen.
Ich habe gewusst, dass du die bist im Elfenbeinturm. Unantastbar. Darum bemüht, den Anschein deiner perfekten Welt mit viel Kraft und Engagement zusammenzuhalten. Und doch habe ich den Anteil in dir gesehen, der eine Sehnsucht hat danach, gehalten zu werden. Damit du loslassen kannst und aufatmen. Ich habe den Anteil in dir gesehen, der geliebt werden will, ohne dafür leisten zu müssen. Aber wie es scheint, ist die Angst, dass es nicht so ist, noch zu gross. Das ist okay.
Ich weiss, dass wir nicht zueinander passen. Vielleicht vermisse ich auch vor allem das Unkomplizierte, Spontane. Das Gefühl, dass jemand ganz in der Nähe ist, dass es möglich ist, sich jederzeit zu sehen, wenn man einander braucht. Ich weiss, auch da habe ich mir etwas vorgemacht. Denn so war es nie wirklich.
Wenn ich also ganz ehrlich bin, ist es mehr die Vorstellung davon, die Möglichkeit, das Potenzial, das, was hätte sein können, das ich vermisse und betrauere. Nicht dich.
Zu allem Übel bin ich neidisch darauf, dass du jetzt mit ihnen unterwegs bist. Es ist dumm, ich weiss. Weil mir klar ist, dass du auch die anderen nicht an dich ranlässt. Aber du schaffst es, den Anschein zu wahren. So dass ich mich immer wieder von der Illusion täuschen lasse. Ich habe es mir da wohl häuslich eingerichtet im Selbstmitleid. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich bin dir trotz allem dankbar. Unsere Zeit hat mir so vieles bewusst gemacht. Ich hatte die Gelegenheit, ganz vieles zu spüren, zu erkennen, zu merken, was mir wichtig ist. Du hast mir geholfen zu erkennen, wie sich Resonanz in meinem Körper anfühlt, wenn etwas mein Thema ist. Und du hast mir geholfen zu spüren, wie sich Projektionen anfühlen. Die Themen, die andere in mir sehen, aber gar nicht meine sind.
Dafür danke ich dir.
Pleite.
Ich bin pleite. So richtig. Auf der einen Seite habe ich es kommen sehen und auf der anderen kam es dann doch überraschend. Weil ich so lange gehofft habe, sie würden mich sehen. Erkennen, wie magisch mein Wirken ist.
Wie konnte es passieren, dass ich so unachtsam war? So leichtsinnig? So wenig vorausschauend und naiv?
Hat er Recht damit, dass ich nicht mit Geld umgehen kann? Offensichtlich.
Doch was ist Geld anderes als Energie? Energie, die dieses Jahr kaum geflossen ist. Beziehungsweise sehr wohl von mir weg, aber kaum zu mir hin. Wohin ist sie geflossen, meine Energie, meine Präsenz, meine Liebe? Und wieso kam sie nicht zurück?
Weil ich sie falsch investiert habe. Ich habe mein Sein den falschen Menschen gezeigt. Habe wieder gehofft, statt die Tatsachen zu akzeptieren. Bin geblieben. Zu lange. Ich habe gehofft, dass sie irgendwann merken würden, wie toll ich bin. Dass ich ihrer Liebe wert bin. Ich habe gehofft, sie würden irgendwann mich sehen und nicht nur sich selbst in mir.
Aber so läuft das nicht. So funktioniert das nicht mit der Resonanz. Wenn sie nicht da ist, kann sie nicht gemacht werden. Wenn ich nicht gesehen werde, bringt es nichts, mich noch mehr zu zeigen. Wenn ich nicht gehört werde, bringt es nichts, lauter zu rufen. Weil es nicht die Worte an und für sich sind, die sie nicht verstehen, sondern deren Bedeutung.
Ich bin beschämt. Wütend. Fühle mich hilflos und schuldig. Erneut habe ich mich selbst klein gemacht, verträglich gemacht, passend gemacht. Ich habe mich angebiedert. Wieder und wieder. Damit soll jetzt Schluss sein.
Ich darf wählen, wen ich in mein Feld lasse. Ich darf wählen, wie lange. Ich darf andere enttäuschen, aber mich selbst will ich nicht mehr enttäuschen. Mich selbst will ich lieben mit aller Liebe die ich habe.